Warum KI-Texte oft gleich klingen – und wie du mit KI trotzdem nach dir klingst

Viele Texte klingen heute nach KI: glatt, korrekt, aber austauschbar. Erfahre, wie du mit einem Tonalitäts-Kompass dafür sorgst, dass E-Mails, LinkedIn-Posts und Newsletter wieder nach dir klingen – inklusive Prompt.

 

Ein Satz, der zum Nachdenken anregt

Letzte Woche passierte in einer Schulung etwas, das mich kurz innehalten ließ. Ich wollte mit den Teilnehmenden die eigene Tonalität auswerten und genau hinschauen: Wie schreibe ich eigentlich und was klingt nach mir – im Gegensatz zu „professionell, aber beliebig“?

Und dann kam dieser Satz aus der Runde: „Ich habe gar keine Texte mehr, die ich selbst geschrieben habe. Das läuft schon alles über die KI.“

Dieser Satz erzählt sehr viel über unsere aktuelle ArbeitsweltGleichzeitig häufen sich auf LinkedIn die Postings darüber, dass mittlerweile alle Texte gleich klingen: Zu glatt, zu generisch, zu sehr nach „In der heutigen schnelllebigen Welt ist es wichtiger denn je …“ Es ist nicht falsch, aber es ist oft auch nicht mehr spürbarUnd genau hier liegt das Problem.

 

Das Geheimnis austauschbarer Texte

Viele KI-Texte klingen gleich, weil die meisten Menschen der KI nur eine Aufgabe geben, aber keinen StilSie schreiben zum Beispiel: „Schreibe mir einen LinkedIn-Post zum Thema Zeitmanagement“ oder„ Formuliere eine professionelle E-Mail an Kund:innen“.

Was dann kommt, ist meistens korrekt und brauchbar, aber selten wirklich persönlichDie KI greift auf Muster und wahrscheinliche Formulierungen zurück. Und genau deshalb entsteht dieser typische KI-Klang: glatt, höflich, allgemein, voller Standardfloskeln und ohne echte Haltung.

Die KI schreibt nicht automatisch wie du – sie schreibt zuerst einmal wie der DurchschnittUnd Durchschnitt ist selten eine gute PositionierungGerade wenn du selbstständig bist, ein Unternehmen führst oder als Expert:in sichtbar sein möchtest, ist deine Sprache ein wesentlicher Teil deiner Markenwahrnehmung. Wenn deine Texte plötzlich klingen wie alle anderen, verlierst du einen wichtigen Teil deiner WiedererkennbarkeitDu musst der KI also beibringen, wie du klingst.

 

Was ist ein Tonalitäts-Kompass?

Ich bin überzeugt: KI ist nicht das ProblemSie kann ein großartiger Schreibpartner sein, der sortiert, strukturiert und Entwürfe erstellt. Aber sie braucht FührungDie KI liefert den Teig – würzen musst du selbst, sonst schmeckt alles nach Hotelbuffet.

Wenn du möchtest, dass Texte nach dir klingen, musst du zuerst wissen, wie du eigentlich klingen möchtestEinTonalitäts-Kompassist eine klare Beschreibung deines persönlichen oder unternehmerischen SchreibstilsEr hilft dir und der KI, Texte so zu formulieren, dass sie zu dir, deiner Marke und deiner Zielgruppe passen.

 

Ein guter Tonalitäts-Kompass beantwortet folgende Fragen:

  • Wie klingt meine Sprache (z. B. sachlich, direkt, humorvoll, inspirierend)?

  • Welche Begriffe verwende ich häufig und welche Wörter passen gar nicht zu mir?

  • Welche Floskeln möchte ich vermeiden?

  • Wie lang oder kurz sind meine Sätze und wie spreche ich meine Leser:innen an?

  • Welche Haltung soll mitschwingen?

Der Tonalitäts-Kompass ist damit eine Art Sprach-Briefing für die KIEr sorgt dafür, dass die KI nicht jedes Mal neu raten muss, wie du schreiben würdest. Das spart Zeit und erhöht gleichzeitig die Qualität bei E-Mails, LinkedIn-Posts, Newslettern oder Website-Texten.

 

Warum Persönlichkeit durch SEO und GEO wichtiger wird

Früher haben viele beim Schreiben vor allem an SEO gedacht: Keywords, Überschriften und Meta-DescriptionsDas bleibt wichtigAber durch KI-Suchsysteme und Chatbots verändert sich die Art, wie Inhalte gefunden werden. Neben SEO wird deshalb auch GEO (Generative Engine Optimization) wichtiger – also die Optimierung von Inhalten für KI-basierte Such- und Antwortsysteme.

Für solche Systeme sind Inhalte besonders hilfreich, wenn sie klare Antworten geben, Fachwissen sichtbar machen und eigene Erfahrungen enthalten. KI kann Durchschnitt sehr gutAber echte Erfahrung, klare Haltung und eine wiedererkennbare Sprache machen künftig den Unterschied für deine Sichtbarkeit.

 

Woran du den typischen „KI-Sound“ erkennst

Ein Text klingt oft nach KI, wenn du dir beim Lesen denkst: „Ja, stimmt eh. Aber ich würde das nie so sagen.“  Typische Anzeichen sind:

  1.  

    Der Text ist korrekt, aber seelenlos: Alles ist richtig, aber nichts bleibt hängen.

  2. Der Text enthält viele Floskeln:v„In der heutigen schnelllebigen Welt…“,„Es ist wichtiger denn je…“ oder „Maßgeschneiderte Lösungen…“

  3. Der Text klingt zu werblich: Alles ist transformierend, revolutionär und bahnbrechend.

  4. Der Text hat keine klare Meinung: KI formuliert gerne zu ausgewogen.

  5. Es klingt nicht nach gesprochener Sprache: Wenn man den Satz laut liest, merkt man sofort, dass man so nie sprechen würde.

 

 

In 5 Schritten zum eigenen KI-Schreibstil

Du kannst die KI perfekt nutzen, um deinen eigenen Stil zu analysieren:

  • Schritt 1: Sammle eigene Texte. Nimm alte E-Mails, LinkedIn-Posts oder Newsletter, die wirklich von dir stammen.

  • Schritt 2: Lass die KI deinen Stil analysieren. Bitte die KI, Muster wie Satzlänge, Wortwahl, Tonalität, Humor und No-Gos zu erkennen.

  • Schritt 3: Definiere deinen Wunschstil. Überlege, wie du künftig wirken möchtest (z. B. klarer, mutiger, lockerer oder weniger werblich).

  • Schritt 4: Erstelle einen Tonalitäts-Kompass. Fasse die Ergebnisse in einem Dokument zusammen.

  • Schritt 5: Nutze den Kompass in jedem Prompt. Gib der KI ab jetzt bei wichtigen Texten immer deinen Stil als Vorgabe mit.

 

 

Die Prompts für deinen Tonalitäts-Kompass

Vorlage 1: Der Interview-Prompt (Wenn du noch keine fertigen Texte hast)

Kopiere diesen Prompt und verwende ihn direkt in deinem KI-Tool:

Du bist Expert:in für Sprache, Personal Branding und SchreibstilHilf mir, meinen persönlichen Schreibstil zu definieren, damit meine Texte künftig nach mir klingenStelle mir nacheinander 10 kurze Fragen zu meiner Sprache, meiner Direktheit, meinem Humor, meinen Lieblingswörtern, meiner Haltung und meiner ZielgruppeWarte nach jeder Frage auf meine Antwort.

Erstelle danach einen kompakten Tonalitäts-Kompass mit folgenden Punkten:* So klinge ich / Diese Worte und Formulierungen passen zu mir (und welche nicht)* So direkt und humorvoll darf meine Sprache sein* So spreche ich meine Zielgruppe an / Typische Satzanfänge und No-Gos* Je ein kurzes Beispiel für eine E-Mail, ein LinkedIn-Posting und einen Newsletter-Einstieg in meinem Stil* Ein kurzer Standard-Prompt, den ich künftig für neue Texte verwenden kann.

Vorlage 2: Der Analyse-Prompt (Wenn du bereits eigene Texte hast)

Wenn du bereits Texte hast, die du selbst geschrieben hast, nutze diesen Prompt:

Analysiere die folgenden Texte auf meinen persönlichen Schreibstil.Achte besonders auf Tonalität, Satzlänge, Wortwahl, Direktheit, Humor, typische Formulierungen, Struktur und No-Gos.Erstelle daraus einen Tonalitäts-Kompass, den ich künftig für KI-generierte Texte verwenden kann. Der Stil soll natürlich und authentisch bleiben.Bitte mache meine Sprache nicht glatter, sondern klarer.

 

Die Mini-Checkliste vor der Veröffentlichung

Bevor du einen KI-Text veröffentlichst, stelle dir diese Fragen:

  • Würde ich diesen Satz wirklich so sagen?

  • Klingt der Text nach mir oder nach einer allgemeinen Vorlage?

  • Sind meine typischen Worte enthalten und Floskeln entfernt?

  • Ist meine Haltung erkennbar und gibt es ein persönliches Beispiel?

  • Ist der Text zu glatt?

Wenn du bei mehreren Fragen unsicher bist, ist der Text noch nicht fertigDann ist er vielleicht korrekt, aber noch nicht deiner.

 

Fazit: KI darf schreiben – aber nicht beliebig

Die größte Veränderung beim Schreiben mit KI ist nicht, dass wir weniger schreiben. Es ist, dass wir bewusster entscheiden müssen, wie wir kommunizieren wollenDu bist nicht mehr nur die Person, die tippt – du bist die Person, die die Richtung vorgibt.

Du entscheidest über die Botschaft, die Haltung, die Klarheit und die PersönlichkeitKI kann schreiben, aber du führstErstelle dir deinen Tonalitäts-Kompass, damit deine Texte am Ende nicht nach KI klingen, sondern nach dir.

 

 

 

Möchtest du herausfinden, wie deine Texte klingen – und wie du KI so nutzt, dass deine Kommunikation trotzdem nach dir klingt? Erstelle dir deinen persönlichen Tonalitäts-Kompassoder komm in einen meiner KI-Workshops. Dort zeige ich dir, wie du KI nicht nur schneller, sondern vor allem klüger nutzt. Denn Effizienz bedeutet nicht, alles abzugeben – sondern die richtigen Dinge bewusst zu steuern.


ÜBER DIE AUTORIN

Autor

Helga Boss verbindet Effizienz mit künstlicher Intelligenz.


Als Expertin für KI-gestütztes Effizienzmanagement zeigt sie, wie Unternehmen mit klaren Strukturen und smarten Tools messbar bessere Ergebnisse erzielen.
Aus der Praxis. Für die Praxis.
In diesem Blog teilt sie Erfahrungen, Strategien und echte Anwendungsbeispiele – damit KI nicht zur Spielerei wird, sondern zu einem Werkzeug, das Effizienz sichtbar macht.

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© Helga Boss