✳ Aus dem Blog
Seit dem 2. August 2026 gilt die nächste Stufe des EU AI Acts. Wenn du in den letzten Wochen gelesen hast, dass jetzt „alles anders wird", kann ich dich beruhigen: Für die meisten kleinen und mittleren Unternehmen ist das kein regulatorischer Umbruch. Aber es ist ein guter Anlass, einmal aufzuräumen.
Denn eines stimmt: Der AI Act betrifft dich wahrscheinlich. Nicht, weil du KI entwickelst, sondern weil du sie nutzt. Chatbot auf der Website, Texte aus ChatGPT, Bilder aus einem Bildgenerator – das reicht schon. In diesem Artikel bekommst du den Überblick ohne Juristendeutsch: Was sich ändert, was du falsch verstehen könntest, und eine Checkliste, die du in einer halben Stunde durchgehst.
Der AI Act ist die KI-Verordnung der EU. Sie gilt in allen Mitgliedstaaten und regelt, wie künstliche Intelligenz eingesetzt werden darf. So weit, so abstrakt.
Der entscheidende Punkt für dich: Die Verordnung unterscheidet nicht nach Firmengröße oder Branche. Sie unterscheidet danach, ob du KI beruflich einsetzt. Ein Ein-Personen-Unternehmen, das einen Chatbot auf der Website hat, fällt genauso darunter wie ein Konzern.
Und „KI einsetzen" heißt heute schnell mehr, als man denkt:
Du beantwortest Kundenanfragen mit einem Chatbot.
Du schreibst Website-Texte oder Social-Media-Posts mit ChatGPT.
Du erstellst Bilder mit einem KI-Bildgenerator.
Du nutzt KI-gestützte Software im Arbeitsalltag.
Wenn dir davon etwas bekannt vorkommt: Willkommen im Geltungsbereich. Die gute Nachricht ist, dass für dich als KMU vor allem ein Bereich zählt – die Transparenzpflichten. Und die sind machbar.
Ab diesem Datum greifen neue Informations- und Kennzeichnungspflichten für bestimmte KI-Anwendungen. Konkret geht es um vier Fälle.
Wenn Nutzer:innen mit einer KI kommunizieren, müssen sie das wissen. Der Chatbot auf deiner Website darf sich also nicht als Mensch ausgeben. Ein klarer Hinweis reicht – zum Beispiel „Du chattest mit unserem KI-Assistenten".
Bild-, Audio- oder Videoinhalte, die mit KI erzeugt oder verändert wurden und echten Personen, Orten oder Ereignissen täuschend ähnlich sehen, müssen als künstlich gekennzeichnet werden. Gemeint sind die realistisch wirkenden Inhalte, nicht das offensichtlich verspielte KI-Bild.
Setzt du ein System ein, das Emotionen oder Zustände erkennt – etwa Müdigkeit oder Aufmerksamkeit –, müssen die betroffenen Personen darüber informiert werden. Das ist für die meisten KMU selten relevant, gehört aber zur Vollständigkeit dazu.
Hier wird es feiner. Werden KI-generierte Texte veröffentlicht, die die Öffentlichkeit über Themen von öffentlichem Interesse informieren, kann eine Kennzeichnungspflicht bestehen. Wichtig: Nur an der Grammatik feilen zählt nicht als Ausnahme. Es braucht eine inhaltliche Prüfung und jemanden, der die Verantwortung für den Inhalt übernimmt.
In den letzten Wochen ist ein Missverständnis durch die Timelines gewandert: „Jetzt muss ich jedes KI-Bild und jeden KI-Text kennzeichnen."
Das stimmt so nicht.
Nicht jeder KI-generierte Inhalt muss gekennzeichnet werden. Ob eine Kennzeichnung nötig ist, hängt vom Anwendungsfall ab. Der Schlüssel heißt redaktionelle Kontrolle: Wenn du einen KI-Text fachlich prüfst, anpasst und unter deiner Verantwortung veröffentlichst, entfällt für viele Texte die Kennzeichnungspflicht.
Ein Beispiel aus dem Alltag: Du lässt dir von ChatGPT einen Entwurf für einen Blogartikel schreiben, überarbeitest ihn, prüfst die Fakten und stellst ihn unter deinem Namen online. Das ist redaktionelle Verantwortung. Ein automatisch generierter Nachrichtentext, der ungeprüft rausgeht, ist etwas anderes.
Wo genau die Grenze verläuft und wie du sauber kennzeichnest, schaue ich mir in einem eigenen Artikel im Detail an: Muss ich KI-Texte und KI-Bilder kennzeichnen?
Für den Überblick reicht: Prüfen und Verantwortung übernehmen entschärft die meisten Fälle.
Die EU-Kommission hat übrigens im Verhaltenskodex ein Set von Symbolen bereitgestellt, an denen du dich orientieren kannst. Verpflichtend sind diese Icons nicht, aber sie geben eine gute Richtung vor.
Der 2. August ist nicht der Startpunkt. Zwei Dinge gelten bereits:
KI-Kompetenz seit Februar 2025. Schon seit dem 2. Februar 2025 müssen Unternehmen sicherstellen, dass Mitarbeiter:innen, die KI-Systeme einsetzen oder überwachen, ausreichend KI-Kompetenz haben. Ein festes Curriculum schreibt der AI Act nicht vor, aber der Nachweis sollte dokumentiert sein. Was das praktisch heißt, liest du hier: KI-Kompetenz im Team.
Verbotene Praktiken. Bestimmte besonders risikoreiche Anwendungen sind bereits untersagt – etwa Social Scoring oder manipulative KI, die Menschen gezielt beeinflusst. Für die meisten KMU ist das kein Thema, aber gut zu wissen, dass es die harte Kante gibt.
Ursprünglich sollten ab August 2026 auch die umfassenden Anforderungen an Hochrisiko-KI-Systeme greifen. Diese wurden verschoben. Unternehmen, die solche Systeme entwickeln oder einsetzen, bekommen dadurch mehr Zeit zur Vorbereitung.
Für dich als KMU heißt das: Der Fokus liegt jetzt auf den Transparenzpflichten. Der große, komplizierte Teil kommt später – und betrifft ohnehin nur einen kleinen Kreis von Unternehmen.
Genug Theorie. Das hier gehst du am besten diese Woche einmal durch. Rechne mit einer halben Stunde.
Welche KI-Anwendungen sind bei dir im Einsatz? Chatbot, Textgenerator, Bildtool, KI-Funktionen in bestehender Software. Schreib sie auf. Du kannst nur regeln, was du kennst.
Ist auf den ersten Blick klar, dass Nutzer:innen mit einer KI schreiben? Wenn nicht, ergänze einen Hinweis.
Verwendest du realistisch wirkende KI-Bilder, -Videos oder -Stimmen? Prüfe, ob eine Kennzeichnung nötig ist.
Werden KI-Texte zu Themen von öffentlichem Interesse vor der Veröffentlichung inhaltlich geprüft – und von einer Person verantwortet? Halte fest, wer das bei dir ist.
Wissen deine Mitarbeiter:innen, welche Tools sie nutzen dürfen und welche Daten sie eingeben dürfen? Ein kurzer, klarer Leitfaden erspart dir später viel.
Wenn du diese fünf Punkte abhakst, hast du das Wesentliche erledigt.
Kurz zur Einordnung, damit du die Relevanz einschätzen kannst: Der AI Act sieht bei Verstößen empfindliche Bußgelder vor – bis zu 15 Millionen Euro oder 3 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes, je nachdem, welcher Betrag höher ist.
Bevor jetzt der Puls steigt: Diese Höchststrafen zielen auf gravierende, systematische Verstöße, nicht auf das vergessene Wörtchen unter einem Blogbild. Der Punkt ist ein anderer. Es lohnt sich, das Thema ernst zu nehmen und einmal sauber aufzustellen – statt es auszusitzen.
Ja. Die Verordnung macht keinen Unterschied nach Firmengröße. Entscheidend ist, ob du KI beruflich einsetzt. Für Solo-Selbstständige und KMU stehen die Transparenzpflichten im Vordergrund, und die sind gut zu erfüllen.
Nein, nicht automatisch. Ob eine Kennzeichnung nötig ist, hängt vom Anwendungsfall ab. Prüfst du KI-Inhalte inhaltlich und übernimmst die Verantwortung, entfällt die Pflicht in vielen Fällen. Details im Kennzeichnungs-Artikel.
Sorge dafür, dass klar erkennbar ist, dass Nutzer:innen mit einer KI schreiben. Ein deutlicher Hinweis genügt.
Nur, wenn du Hochrisiko-KI entwickelst oder einsetzt, was auf die wenigsten KMU zutrifft. Für alle anderen zählt jetzt die Transparenz.
Für rechtlich verbindliche Auskünfte wende dich an eine spezialisierte Rechtsanwältin oder einen Berater. Dieser Artikel gibt dir den Überblick und eine Orientierung, ersetzt aber keine individuelle Rechtsberatung.
Der 2. August war für die meisten KMU kein Erdbeben. Er ist eher ein guter Grund, den eigenen KI-Einsatz einmal strukturiert anzuschauen – so, wie du es mit jedem anderen Teil deines Unternehmens auch machst.
Wer seine Tools kennt, Verantwortlichkeiten klärt und transparent kommuniziert, hat die wichtigsten Schritte gesetzt. Kein Aktionismus, keine Panik. Nur einmal Ordnung schaffen – und dann wieder das tun, worin du gut bist.
Wenn du deinen KI-Einsatz strukturiert aufstellen willst und dabei jemanden an der Seite haben möchtest, der Effizienz und Klarheit zusammendenkt: Lass uns in einem Erstgespräch draufschauen.
Helga Boss verbindet Effizienz mit künstlicher Intelligenz.
Als Expertin für KI-gestütztes Effizienzmanagement zeigt sie, wie Unternehmen mit klaren Strukturen und smarten Tools messbar bessere Ergebnisse erzielen.
Aus der Praxis. Für die Praxis.
In diesem Blog teilt sie Erfahrungen, Strategien und echte Anwendungsbeispiele – damit KI nicht zur Spielerei wird, sondern zu einem Werkzeug, das Effizienz sichtbar macht.

Jeden Donnerstag ein Effizienz-Tipp!

© Helga Boss