✳ Aus dem Blog
Wie hast du deinen letzten Urlaub gefunden?
Früher hieß das: Reiseportal auf, Filter anklicken. Meer, 4 Sterne, Kinderbetreuung, nicht zu weit fliegen. Dann die Ergebnisliste, scrollen, Bewertungen lesen, zurück, nächstes Hotel. Stundenlang.
Heute schreibe ich der KI, was ich will: eine Woche ans Meer, ruhig, gutes Essen, kein Animationsprogramm, und ich will dort joggen gehen können. Ich bekomme 3 Vorschläge, jeder mit einer Begründung. Wenn die KI dabei danebenliegt, merke ich es spätestens bei den Bewertungen. Das Risiko ist klein.
Jetzt nimm dieselbe Situation und verleg sie in ein Unternehmen. Dann geht es plötzlich nicht mehr um einen Urlaub, sondern darum, ob dein Unternehmen überhaupt noch gefunden wird.
Kurz gesagt: Generative Engine Optimization, kurz GEO, sorgt dafür, dass KI-Systeme wie ChatGPT, Gemini, Copilot oder Perplexity dein Unternehmen kennen, richtig einordnen und empfehlen. SEO bleibt das Fundament. Aber das Spiel heißt nicht mehr Ranking, sondern Erwähnung. Und wer erwähnt wird, entscheidet sich vor allem an einer Frage: Kann die KI in einem Satz sagen, für wen du was löst?
In diesem Artikel erfährst du, was sich durch GEO ändert, was von SEO bleibt und mit welchen 7 Schritten du dafür sorgst, dass die KI dich auf die Shortlist setzt.
Generative Engine Optimization (GEO) ist die Arbeit daran, dass KI-Systeme dein Unternehmen in ihren Antworten nennen, richtig beschreiben und als Quelle verwenden.
Bei klassischer Suchmaschinenoptimierung (SEO) ging es darum, in der Google-Ergebnisliste möglichst weit oben zu stehen. Bei GEO geht es darum, in der Antwort selbst vorzukommen. Denn wer heute eine KI fragt, bekommt keine 10 blauen Links, sondern eine fertige Antwort mit 3 bis 5 Namen.
Der Begriff stammt aus einer Studie von Forschenden aus Princeton und anderen Universitäten, die 2024 auf der Informatik-Konferenz KDD erschienen ist. Dazu gleich mehr.
Stell dir ein mittelständisches Produktionsunternehmen vor, das eine neue Software braucht, um seine Prozesse abzubilden. Die Aufgabe landet bei einer Mitarbeiterin.
Früher hätte sie gegoogelt: „Prozessmanagement Software Mittelstand“. 10 Links, 4 davon Werbung, ein paar Vergleichsportale, ein paar Herstellerseiten. Sie hätte sich durchgeklickt, Whitepaper heruntergeladen und 2 Demos vereinbart.
Heute fragt sie die KI: „Wir sind ein Produktionsunternehmen mit 180 Mitarbeitenden, wir wollen unsere Prozesse abbilden, wir haben SAP im Einsatz. Was passt zu uns?“ Und sie bekommt 3 bis 5 Namen mit einer Erklärung, warum genau die passen.
Für die Mitarbeiterin ist das Risiko überschaubar, sie prüft ja weiter. Für die Anbieter ist es dramatisch. Denn geprüft wird nur noch, was auf der Liste steht. Wer bei Google auf Seite 2 stand, hatte noch eine kleine Chance. Wer in der KI-Antwort nicht vorkommt, hat keine.
Ist das übertrieben? 2 Quellen helfen bei der Einordnung.
Die Befragung von G2. Die Bewertungsplattform G2 hat im März 2026 insgesamt 1.076 Entscheider:innen befragt, die B2B-Software einkaufen. Wichtig: Das ist eine Befragung, keine Messung. Und G2 hat als Bewertungsplattform ein Interesse daran, dass Bewertungen wichtig sind. Trotzdem sind die Ergebnisse deutlich:
Die letzte Zahl ist die schlechte Nachricht für große Unternehmen, die sich auf ihren Namen verlassen. Und die gute für kleinere, die nie das Werbebudget der Großen hatten. Die KI fragt nicht nach dem Werbebudget.
Die Messung von Pew. Das Pew Research Center hat im März 2025 die Browserdaten von 900 Erwachsenen in den USA ausgewertet. Stand oben bei Google eine KI-Zusammenfassung, klickten die Leute in 8 % der Fälle auf ein Suchergebnis. Ohne Zusammenfassung waren es 15 %. Auf die Quellen, die in der Zusammenfassung verlinkt waren, klickte genau 1 %.
Das heißt: Selbst wenn du bei Google gut dastehst, kommen weniger Menschen auf deiner Website an. Die Antwort bekommen sie vorher.
Die Frage, die ich gerade am häufigsten höre: Müssen wir alles wegwerfen, was wir für Google gemacht haben?
Nein. SEO ist nicht tot, es ist das Fundament. KI-Systeme, die im Internet recherchieren, greifen auf Suchindizes zurück. Wer für Google oder Bing technisch nicht auffindbar ist, ist es für die KI meistens auch nicht. Gute Inhalte, saubere Technik und Glaubwürdigkeit gelten weiter.
Obendrauf verändern sich aber 5 Dinge, und die sind grundsätzlich:
Der vierte Punkt ist für mich der spannendste. Das SEO-Tool-Unternehmen Ahrefs hat 75.000 Marken untersucht und geschaut, was damit zusammenhängt, dass eine Marke in den KI-Zusammenfassungen von Google vorkommt. Der stärkste Zusammenhang war nicht die eigene Website und waren nicht die Backlinks. Es waren Erwähnungen der Marke im Netz.
Das ist ein Zusammenhang, kein Beweis für Ursache und Wirkung. Und die Analyse gilt für Google und eher für größere Marken. Die Richtung ist trotzdem klar: Die KI hört nicht nur, was du über dich sagst. Sie hört auch, was andere über dich sagen.
Wenn deine Antwort irgendwo im dritten Absatz einer Imagebroschüre steckt, zwischen „Qualität ist unser Anspruch“ und „Bei uns steht der Kunde im Mittelpunkt“, dann findet die KI sie nicht. Oder sie hält sie für Werbung.
Deshalb ist GEO für mich in erster Linie keine Frage der Technik und keine Frage der Agentur. Die KI kann dich nur empfehlen, wenn sie in einem Satz sagen kann, für wen du was löst. Und das kann sie nur, wenn du es selbst kannst.
Hier sind wir bei meinem Lieblingssatz: Erst der Prozess, dann die KI. Wer nicht weiß, welche Fragen seine Kund:innen stellen, weil sie nirgends gesammelt werden, hat kein GEO-Problem. Er hat ein Prozessproblem. Und genau dort fängt die Arbeit an. Mehr zu dieser Reihenfolge im Artikel KI im Unternehmen einführen: erst der Prozess, dann die KI.
Die 7 Schritte sind sortiert von „kostet nur Nachdenken“ bis „kostet laufend Arbeit“. Fang mit 1 und 2 an, denn davon geht alles aus.
Wer bist du, für wen, und welches Problem löst du? Ein Satz. Und dieser Satz steht gleichlautend auf deiner Website, in deinem LinkedIn-Profil, im Firmenverzeichnis der Wirtschaftskammer, auf Bewertungsplattformen und in deiner Pressemappe.
Warum gleichlautend? Weil die KI ihr Bild aus vielen Quellen zusammensetzt. Bist du auf der Website „Lösungsanbieter für digitale Transformation“, auf LinkedIn „IT-Dienstleister“ und im Branchenverzeichnis „Softwareentwicklung“, dann weiß die KI nicht, wofür sie dich empfehlen soll. Also empfiehlt sie jemand anderen.
Sag auch, für wen du nicht da bist. „Für Produktionsbetriebe zwischen 50 und 500 Mitarbeitenden“ hilft der KI viel mehr als „für Unternehmen jeder Größe“. Dann weiß sie, wann du passt.
Nicht die Fragen, die das Marketing gerne hätte. Die echten. Und die kennt nicht die Agentur, die kennen dein Vertrieb, dein Kundenservice und dein Ticketsystem.
Mach eine Liste: Welche 20 Fragen hören wir im Erstgespräch immer wieder? Was kostet das ungefähr? Wie lange dauert die Einführung? Funktioniert das mit SAP? Was unterscheidet euch von Anbieter X? Für wen seid ihr nicht geeignet?
Dann beantwortest du jede dieser Fragen auf deiner Website. Antwort zuerst, Erklärung danach. Eine Frage, ein Abschnitt, eine klare Überschrift. Ein gut gepflegter FAQ-Bereich bekommt dadurch einen ganz neuen Stellenwert.
Die besten GEO-Texte schreibt dein Vertrieb, nicht deine Werbeagentur.
Die Studie aus Princeton hat genau das getestet: Was muss in einem Text stehen, damit er in KI-Antworten häufiger vorkommt? Mit Quellenangaben, Zitaten und konkreten Zahlen stieg die Sichtbarkeit um bis zu 40 %. Bis zu, das ist der beste Fall im Test und kein Versprechen. Keyword-Stuffing, also das alte SEO-Spiel, dasselbe Wort 15 Mal in den Text zu schreiben, brachte nichts.
Für dich heißt das:
Die Zahlen sind Beispiele. Setz deine eigenen ein, und nur die, die stimmen.
Das ist die Konsequenz aus der Ahrefs-Analyse. Und es ist der Schritt, der am meisten Arbeit macht, weil er sich nicht an einem Nachmittag erledigen lässt.
Was zählt:
Kurz: alles, wo jemand anderer als du selbst deinen Namen in Verbindung mit deinem Thema nennt. Das ist gute alte Pressearbeit. Sie war in den letzten 15 Jahren ein bisschen aus der Mode, weil sich alle auf Google konzentriert haben. Jetzt kommt sie zurück.
Jetzt kurz technisch, aber nur so weit, wie es eine Geschäftsführung wissen muss.
KI-Systeme bevorzugen bei vielen Fragen aktuelle Quellen. Stehen auf deiner Website noch die Preise von 2023 oder ein Produkt, das es nicht mehr gibt, dann erzählt die KI genau das weiter.
Im Geschäft würde niemand im Sommer noch die Weihnachtsdeko im Schaufenster stehen lassen. Für die Website gilt dasselbe: Datum an die Inhalte, und einmal im Quartal durchgehen, was nicht mehr stimmt.
Dazu kommt ein Punkt, über den kaum jemand redet: Die KI kann auch über dich halluzinieren. Erzählt sie einer potenziellen Kundin, ihr hättet keine Schnittstelle zu SAP, obwohl ihr eine habt, ist der Auftrag weg, bevor ihr überhaupt davon wisst. Warum die KI so überzeugend danebenliegen kann, erkläre ich im Artikel KI-Halluzinationen: Warum die KI so überzeugend lügt.
Der wichtigste Schritt, weil du ihn sofort umsetzen kannst. Stell der KI die Fragen, die deine Kund:innen stellen. In ChatGPT, Gemini, Copilot und Perplexity. In der Bezahlversion und in der Gratisversion. Und am besten auch einmal auf einem fremden Laptop, auf dem die KI dich und deine bisherigen Chats nicht kennt.
Dann schau: Kommst du vor? Wer kommt statt dir vor? Was wird über dich gesagt? Stimmt das?
Die Antworten schwanken, jedes Mal ein bisschen. Deshalb nicht einmal fragen, sondern regelmäßig. Zum Beispiel einmal im Monat dieselben 10 Fragen, Ergebnis in eine Tabelle. Das ist kein perfektes Messinstrument. Aber es ist besser als das, was die meisten Unternehmen gerade haben, nämlich gar nichts.
Und schau in eure Webanalyse, ob Besucher:innen von chatgpt.com, perplexity.ai oder ähnlichen Seiten kommen. Die Zahl ist meistens noch klein, aber sie wächst. Und wer von dort kommt, ist in der Entscheidung oft schon sehr weit.
Bevor dir jemand ein GEO-Paket verkauft, 3 Dinge zur Einordnung.
Niemand kann garantieren, dass die KI dich empfiehlt. Bei Google konnte man wenigstens messen, auf welchem Platz man steht. Bei der KI ist jede Antwort ein bisschen anders, je nachdem, wer fragt, wie gefragt wird und in welchem System. Wer dir „Platz 1 in ChatGPT in 30 Tagen“ verspricht, verspricht etwas, das er nicht halten kann.
llms.txt ist kein Hebel. Du wirst von einer Datei namens llms.txt hören, die man angeblich unbedingt braucht. Google hat seit 2025 mehrfach gesagt, dass es diese Datei nicht nutzt, und mir ist kein großer KI-Anbieter bekannt, der bestätigt, dass er sie auswertet. Schaden tut sie nicht. Wenn dir aber jemand GEO verkauft und als Erstes llms.txt anbietet, würde ich nachfragen.
Es gibt keinen Trick. Alles in diesem Artikel heißt im Grunde: Sei klar. Sei konkret. Sei glaubwürdig. Sorg dafür, dass andere das bestätigen. Und schau regelmäßig nach. Neu ist nur, dass man sich nicht mehr durchmogeln kann. Die KI liest alles, und sie liest zwischen den Zeilen.
Danach noch eine Frage hinterher, in jeder der 3 KIs:
„Was weißt du über [dein Unternehmen]? Für wen ist es geeignet, und für wen eher nicht? Auf welche Quellen stützt du dich?“
Die letzte Frage ist die aufschlussreichste. Sie zeigt dir, woher die KI ihr Bild von dir hat, und wo es Lücken gibt.
Das Ergebnis wird dich überraschen, in die eine oder andere Richtung.
SEO zielt auf einen möglichst guten Platz in der Ergebnisliste einer Suchmaschine. GEO zielt darauf, in der Antwort einer KI genannt und richtig beschrieben zu werden. SEO bleibt dabei das Fundament, weil KI-Systeme bei der Recherche auf Suchindizes zurückgreifen.
Nein. Gute Inhalte, saubere Technik und Glaubwürdigkeit bleiben die Basis. Was sich ändert, ist das Ziel: Statt Platz 1 geht es um die Erwähnung, und statt Klicks zählt, was die KI über dich sagt.
Stell ChatGPT, Gemini, Copilot und Perplexity die Fragen, die deine Kund:innen stellen, und frag danach direkt nach deinem Unternehmen und den Quellen. Mach das regelmäßig und am besten auch ohne Login, weil die Antworten schwanken und von deinem Verlauf beeinflusst werden können.
Für die Technik kann eine Agentur helfen. Die wichtigste Arbeit liegt aber im Unternehmen selbst: ein klarer Satz, für wen ihr was löst, und die gesammelten echten Fragen eurer Kund:innen. Die kennt dein Vertrieb besser als jede Agentur.
Sie schadet nicht, ist aber kein Hebel. Google hat mehrfach gesagt, die Datei nicht zu nutzen, und große KI-Anbieter bestätigen bisher nicht, dass sie sie auswerten. Wichtiger ist, dass eure robots.txt die KI-Crawler für die Suche nicht aussperrt.
Wir suchen nicht mehr, wir fragen. Und die KI antwortet mit 3 bis 5 Namen. Wer nicht auf dieser Liste steht, wird nicht geprüft.
SEO bleibt das Fundament. Aber die entscheidende Arbeit für GEO passiert nicht in der Technik, sondern in der Klarheit: Kannst du in einem Satz sagen, für wen du was löst? Und wisst ihr, welche Fragen eure Kund:innen wirklich stellen? Wenn nicht, fang genau dort an.
Alle 7 Schritte zum Anhören gibt es im Podcast: Wie KI-Worte wirken, Folge 116: GEO statt SEO.
Du merkst, dass ihr bei Schritt 1 und 2 hängt? Dann ist das kein Marketingproblem, sondern ein Prozess- und Strategiethema. Genau da setze ich an. Hier ein Erstgespräch vereinbaren.
Quellen
Helga Boss verbindet Effizienz mit künstlicher Intelligenz.
Als Expertin für KI-gestütztes Effizienzmanagement zeigt sie, wie Unternehmen mit klaren Strukturen und smarten Tools messbar bessere Ergebnisse erzielen.
Aus der Praxis. Für die Praxis.
In diesem Blog teilt sie Erfahrungen, Strategien und echte Anwendungsbeispiele – damit KI nicht zur Spielerei wird, sondern zu einem Werkzeug, das Effizienz sichtbar macht.

Jeden Donnerstag ein Effizienz-Tipp!

© Helga Boss